Was passiert, wenn Griechenland aus der Eurozone austritt?

Eine Zeitlang konnte man denken, dass der Fall Griechenland nach dem Schuldenschnitt im März dieses Jahres erledigt sei und alles wieder seinen geregelten Gang gehen würde. Tatsächlich bekam Griechenland nur noch am Rande mediale Aufmerksamkeit. Bis zum 6. Mai. Da haben die Griechen ihre vorgezogenen Parlamentswahlen durchgeführt. Es kam zum politischen Patt, die beiden gemäßigten Parteien Nea Dimokratia und Panellinio Sosialistiko Kinima (PAOK) mussten herbe Verluste verbuchen und bekamen nicht mal zusammen eine Mehrheit hin. Es folgten drei erfolglose Versuche der drei stärksten Parteien, eine Koalition zusammen zu bekommen. Dann scheiterte auch noch der Präsident Karolos Papoulias mit der Etablierung einer sogenannten Technokraten-Regierung. Das Ergebnis: es gibt Neuwahlen. Voraussichtlich am 17. Juni werden die Griechen erneut abstimmen. Das Problem dabei: Die linksradikale Syriza-Partei wird in Umfragen führend gesehen. Partei-Chef Alexis Tsipras will alle Sparbemühungen beenden und die Verträge mit der Troika aufkünden. Seitdem machen sich Sorgen breit, dass Griechenland aus der Eurozone austreten könnte. Es hat sich sogar schon ein geflügeltes Wort für dieses Szenario gebildet: Grexit. Eine Kombination aus „Greece“ und „Exit“. Es folgt eine Analyse über die möglichen Auswirkungen für Deutschland, die EU und für uns alle.

Der erste Schritt

Ein Austritt aus der Eurozone müsste natürlich als erstes die Rückkehr zur nationalen Währung nach sich ziehen. Sehr wahrscheinlich würde diese dann wieder Drachme heißen, so wie vor dem Eurobeitritt. Erfahrungen in der Geschichte haben gezeigt, dass eine plötzliche Währungsumstellung schnell durchführbar wäre. So haben es die Tschechen und die Slowaken innerhalb weniger Wochen geschafft nationale Währungen einzuführen, nachdem sich die Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei gespalten hatte. Wirtschaftlichen Probleme und die hohe Verschuldung würden die Drachme natürlich sofort massiv abwerten. Experten rechnen damit, dass die Drachme zunächst einmal um die 30 bis 50 Prozent abwerten dürfte. Das hätte Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist ganz klar, dass die griechische Industrie dadurch wettbewerbsfähiger würde, da die Lohnkosten im internationalen Vergleich sinken würden. Ein ganz großer Profiteur eines Euroaustritts wäre dann die griechische Tourismusbranche, aber auch die deutschen und sonstigen ausländischen Touristen. Da der Euro eine deutlich erhöhte Kaufkraft hätte, könnten wir Touristen für deutlich niedrigere Preise Urlaub an der Ägäis machen als bislang. Wenn sich die sozialen Spannungen im Land wieder legen, könnten die griechischen Hotels dann dadurch bald wieder nahe an die Vollauslastung kommen. Ein Nachteil besteht für die Griechen darin allerdings, dass die Schuldenlast noch weiter explodieren würde. Die bislang aufgehäuften und nicht „abgeschnittenen“ Schulden müssten natürlich auch nach dem Euroaustritt zurückbezahlt werden. Durch den sinkenden Wert der Drachme würde dann auch der Wert der Schulden für die Griechen steigen. Mittelfristig würde dadurch ein weiterer Schuldenschnitt nötig werden oder im schlimmsten Szenario geht Griechenland in die Insolvenz.

Deutschland als Profiteur?

Für uns Deutsche ist natürlich die Frage, was ein Euroaustritt der Griechen für Deutschland bedeutet am wichtigsten. Unser Land könnte dabei ganz klar als großer Krisenprofiteur hervorgehen, so wie es jetzt ja auch schon der Fall ist. Dabei profitiert Deutschland auf vielfältige Weise. Zunächst dürfte alleine die Ankündigung des Euroaustritts Griechenlands sehr viele Griechen aufschrecken und zur Bank hetzen lassen. Sehr viele würden versuchen, ihr ganzes Vermögen noch schnell in Euro abzuheben, da sie damit ja eine viel höhere Kaufkraft haben, als mit der Drachme. Was in Griechenland einen Bankenrun auslösen könnte, wird für die deutschen Banken den umgekehrten Effekt haben. Die Griechen werden sicher nicht alle, vor allem nicht die mit dem großen Vermögen, ihr Geld unters Kopfkissen schieben, sondern bei einer ausländischen Bank deponieren. Und was läge da näher, als bei einer deutschen Bank? Schließlich gilt Deutschland als das ausfallsicherste Land in der Eurozone. Deutschland würde aber noch auf eine andere Weise profitieren. Nach Bekanntwerden eines Euroaustritts würde erst einmal der Euro gegenüber anderen Währungen, insbesondere gegenüber dem US-Dollar, deutlich abwerten. Das hilft natürlich unserer Exportindustrie, deren Produkte dadurch für die Abnehmer günstiger würden. Die Exporte, die sowieso schon auf Rekordniveau sind, würden dadurch deutlich zulegen können. Aber auch der deutsche Staat dürfte zumindest einerseits davon profitieren. Schon jetzt sind die Zinsen, die der Bund für neu aufgenommen Schulden zahlen muss, historisch niedrig. Durch die große Verunsicherung, die ausbrechen würde, wenn Griechenland aus dem Euro austritt, würden die Renditen für Bundespapiere weiter sinken. Auf der anderen Seite stehen die Kosten für Deutschland. Schätzungen gehen davon aus, dass Griechenland uns Steuerzahler bei einem Austritt bis zu 60 Milliarden Euro kosten könnte.

Was passiert mit der Eurozone und der EU?

Bei der Eurozone als Ganzes wird es schon schwieriger, Vorteile zu finden. Die ganz große Gefahr für die Eurozone ist, dass die Investoren das Vertrauen verlieren und sich dann auch aus Spanien, Italien, Portugal und vielleicht sogar Irland zurückziehen. Diese Ansteckungsgefahr wird von den Europa-Politikern zu Recht als größtes Problem erkannt. Wackelt Spanien, dürfte es um die Eurozone geschehen sein. Entgegen allen Beteuerungen ist der Rettungsschirm eben nicht groß genug, um Spanien oder gar Italien aufzufangen, wenn diese komplett den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren. Im schlimmsten Fall droht in Spanien nach einem Euroaustritt der Griechen ebenfalls ein Bankenrun. Dann gibt es noch zwei Szenarios. Szenario 1: Die Eurozone löst sich auf und alle kehren zu ihren nationalen Währungen zurück beziehungsweise nur die vier bis fünf gesunden Kernländer behalten den Euro; der Rest tritt aus. Szenario 2: Die Europäische Zentralbank hebt alle Bedenken auf und agiert ähnlich wie ihr amerikanisches Pendant. Die EZB könnte als Euro-Feuerwehr unbegrenzt Staatsanleihen kaufen und dadurch die Märkte mit Billionen von Euro fluten. Technisch wäre das möglich und würde sicherlich auch für Beruhigung an der Schuldenkrisenfront sorgen. Die Kosten dieses Szenarios sind allerdings hoch. Es droht mittelfristig eine nicht mehr beherrschbare Inflation!

Was bedeutet Inflation oder das Auseinanderbrechen der Eurozone für Ihr Vermögen? Diesen Fragen widmet sich regelmäßig der Börsenbrief „Der Investoren-Kompass“. Hier finden Sie konkrete Wege und Anlagetipps, wie Sie Ihr Geld vor der schleichenden Entwertung beziehungsweise dem Kapitalmarkterdbeben schützen, das bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone zu erwarten wäre.

Quelle: http://aktienchancen.de
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Ein Kommentar zu “Was passiert, wenn Griechenland aus der Eurozone austritt?

  1. Gescheiter wäre, wenn die BRD aus dem Euro und der EU austreten würde. Beides ist doch sowieso nur dazu da um Deutschland zu schaden. Aber was will man von den International-Sozialisten erwarten, die führen halt nur das fort was die N.-Sozialisten begonnen haben. Mal nach „The Nazi Roots of the EU“ in Bing oder Yahoo suchen.

    Noch besser wäre, wenn Süddeutschland aus der BRD austreten würde. Baden Würtemberg wäre ohne die sozialistische Umverteilung (auch bekannt als Länderfinanzausgleich) schuldenfrei.

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